Interview: Tyge Mortensen

INTERVIEW: TYGE MORTENSEN

Geführt von Astrid Eggert, WFA Kreis Plön

Warum sollte erneut der Fokus auf ländliche Entwicklung in Dänemark (und Deutschland) gelegt werden – im Gegensatz zu einer einseitigen Stärkung der Städte?

Wir können in diesen Jahren ein Ungleichgewicht in der Gesellschaft erkennen. Sowohl in Deutschland als auch in Dänemark. Den Fokus auf ländliche Entwicklung zu setzen bedeutet, den Fokus auf Dezentralisierung zu setzen – auch im Sinne von Macht. Daher geht es auch darum, den Fokus auf Demokratieentwicklung zu legen. Die ländlichen Dörfer sind die DNA der Demokratie. Hieraus sind alle Institutionen entsprungen und dorthin können sie auch auf neue Weise zurückführen.

Warum bist du Teil von B4R und warum wirkst du in der Partnerschaft mit?

B4R eröffnet Möglichkeiten für ein Netzwerk mit relevanten Partnern, welche alle mit  ländlicher Entwicklung arbeiten. Ich meine, dass wir Probleme sowohl auf einem lokalen Level, durch eine Erhöhung der Selbstbestimmung – und auch gleichzeitig in einem globalen Level, welches neue Möglichkeiten für die ländliche Entwicklung bedeuten kann, lösen sollten.

Gibt es eine besondere Lehrerfahrung, welche aus der deutsch-dänischen Zusammenarbeit im Projekt entstanden ist?

Mir wurden die Augen im Hinblick auf die Unterschiede zwischen deutschen und dänischen Bedingungen geöffnet. Dänemark befindet sich in diesen Jahren in einer enormen Entwicklung und in Deutschland scheint es so, als wenn sich die Entwicklung mit kleinen vorsichtigen Schritten bewegt. Auf der dänischen Seite kann man ein Gefühl davon bekommen, dass eine Entwicklung nur wegen der Entwicklung selbst passiert, während auf deutscher Seite an alten Strukturen festgehalten wird – nur um an etwas festhalten zu können. Bei beiden Ansätzen verliert man einige Möglichkeiten, für welche wir die Augen offen halten müssen. Ich glaube, dass diese deutsch-dänische Zusammenarbeit dabei helfen kann, damit wir auf beiden Seiten der Grenze eine gestärkte ländliche Entwicklung erreichen können, welche dabei hilft, unsere Demokratie zu stärken – im Gegensatz zu einer Destabilisierung.

"Den Fokus auf ländliche Entwicklung zu setzen bedeutet gleichzeitig, den Fokus auf Dezentralisierung zu setzen – auch i. S. von Macht."

Was macht aus deiner Sicht B4R speziell?
Es gibt drei Gründe dafür, warum B4R für mich wirklich interessant ist:

1. Es gibt ungefähr gleich viele teilnehmende Organisationen auf jeder Seite der Grenze, was für eine gute Balance im Hinblick auf den Austausch von Wissen sorgt.

2. Man bekommt die Möglichkeit, nah an die großen Unterschiede zwischen deutschen und dänischen Gedankengängen heranzukommen und somit auch an die Unterschiede im Gesellschaftsmodell. Das ist erstaunlich!

3. Die Größe des Projekts, sowohl im Hinblick auf Zeit als auch im Umfang, sorgt dafür, dass man die Möglichkeit bekommt, neue Aktivitäten auszuprobieren, die während des Prozesses entstehen. Ich erwarte, dass wir zu einem Zeitpunkt in der Zukunft von vorgeplanten Aktiviten zu neuen Ideen übergehen, welche nur entstehen, weil wir uns während der Planung gut kennenlernen konnten. Gerade hierauf freue ich mich. Und ich hoffe, dass es Wirklichkeit wird.

Was konntest du bis jetzt zu dem Projekt beitragen und was wirst du in den kommenden Monaten noch beitragen können?

Auf kurze Sicht erwarte ich, dass ich mit neuen Ideen in der ländlichen Entwicklung einen Beitrag leisten  kann. Ich bin Netzwerkpartner und manchmal ist es schwierig, zu sehen, wie das Projekt gedenkt uns zu involvieren, anders als als Inspirateur und zur Wissensteilung. Wenn man als Freiwilliger dabei ist, gibt es eine Grenze, im Hinblick darauf, wie viel man beitragen kann. Aber ich hoffe trotzdem, dass ich bei den Treffen dabei sein kann und auf kurze Sicht auch darauf, neue initiativen mitzuschaffen.

Tyge Mortensen
Landsbyhøjskolen, selbstständiger Vortragshalter & Moderator sowie Vorstandsmitglied des Landdistrikternes Fællesråd.