Digitalisierung

Digitalisierung ist in aller Munde. Was bedeutet das für die ländlichen Räume?

Der gesellschaftliche Wandel wird immer stärker durch die digitale Welt geprägt. Menschen kommunizieren über globale Social Media Netzwerke, das Restaurant von nebenan wird im "Netz" gesucht und gefunden. Einzelhandel findet nicht mehr ausschießlich in den Innenstädten oder auf der "grünen Wiese" statt, Behörden sollen zukünftig "papierlos" agieren und die Nutzung digitaler Werkzeuge gehört in vielen Wirtschaftszweigen zur Normalität. In sämtlichen Bereichen des öffentlichen, privaten und wirtschaftlichen Lebens werden Konventionen durch digitale Neuerungen durchbrochen und führen zu einer Welt, in der die "Digitalen Natives" die digital-fernen Bevölkerungsgruppen abhängen.

Die digital-fernen Bevölkerungsgruppen sind oftmals ältere Menschen, deren Leben seit jeher ohne die Nutzung technischer Hilfsmittel funktioniert und deren Affinität gegenüber digitalen Produkten recht gering ist. Viele von ihnen leben in ländlichen Regionen, die besonders stark durch einen breiten Strukturwandel beeinflusst sind. Insbesondere durch den Wandel der Wirtschaftsstruktur und die demographischen Entwicklungen prognostiziert man eine negative Entwicklung, welche dazu führt, dass Versorgungs- und Bildungseinrichtungen sich reduzieren, Arbeitsplätze entsprechend in Stadtregionen und Metropolen entstehen und die allgemeine Vitalität der ländlichen Räume sich immer schwieriger gestalten lässt. Experten sprechen in diesem Zusammenhang auch vom "Ausbluten" des ländlichen Raumes.

Die Arbeits- und Lebenssituation im ländlichen Raum steht am "Scheideweg". Ein nicht ganz so drastische Betrachtung kommt damit aus, dass die ländlichen Räume weiter an Bedeutung verlieren, wenn sie ihre Probleme nicht erkennen und anerkennen, sowie den negativen Tendenzen mit der übergreifenden Entwicklung von Lösungen begegnen. Der Breitbandausbau in Schleswig-Holstein ist ein gutes Beispiel für diesen Weg. Kommunen haben erkannt, dass diese Basisinfrastruktur von zentraler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit sein wird und die interkommunale Zusammenarbeit der Schlüssel für eine zeitnahe Umsetzung ist. Dieser Teil der Digitalisierung der ländlichen Räume ist bereits angestoßen und wird in naher Zukunft dazu führen, dass die ländlichen Räume ein bedeutendes Argument in der Hand halten, wenn es darum geht die Vorzeichen des "Ausbluten" und die negativen Tendenzen der Globalisierung umzukehren. Die digitale Gestaltung der Regionen auf Grundlage von Breitband als Basisifrastruktur ist Bereicherung und Herausforderung zugleich.

 

Die "Renaissance des ländlichen Räumes" ist digital?

Die "Renaissance des ländlichen Raumes" kann nur digital vollzogen werden. Physische Grenzen verwischen zunehmend und Raum-Zeit-Kosten werden keine größere Rolle mehr spielen. Arbeiten wird keine Frage des Standortes mehr sein und daher eine Bereicherung und ein Faktor für die zukünftige Gestaltung von Regionen werden. Lebenshaltungskosten sind schon heute überdimensional hoch in Großstädten wie Hamburg oder Kopenhagen. Die stetige Ausdifferenzierung von Lebensstilen wird zunehmend mit der hohen Dynamik und dem "Stress" der Großstädte kollidieren. Diese Push-Faktoren werden durch den Pull-Faktor "Breitband" dazu führen, dass die ländlichen Räume als Arbeits- und Lebensumwelt an Attraktivität gewinnen. 

An dieser Stelle stehen die Regionen vor der gestalterischen Herausforderung, adäquate Infrastrukturen für eine moderne Lebensumwelt  zu entwickeln. Sowohl für Neubürger als auch für die Alteingesessene, die zumeist älter sind und deren Versorgung und Mobilität im Alter die wichtigste Rolle spielen wird, bestehen Anforderungen, die in diese Entwicklung einfließen sollten. Bei den Themen "Versorgung" und "Mobilität" müssen sich die Regionen der Frage der effizienten und übergreifenden Organisation stellen, um eine attraktive "Erreichbarkeit" zu ermöglichen. Der Erhalt der Dorfgemeinschaft wird entscheidend durch die Weiterentwicklung der ehrenamtlichen Organisationsstrukturen beeinflusst. Der lokalen Kommunikation (Informationsweitergabe, Bürgerbeteiligung) kommt eine Querschnittsaufgabe zu, welche den Menschen dabei helfen wird, Informationen mit Relevanz für die eigene Lebensumwelt besser zu filtern. Im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklung werden übergreifende Netzwerkstrukturen ein Faktor werden, um z.B. Unternehmern den Wechsel in den ländlichen Raum zu vereinfachen.


Was kann die Regionalentwicklung für die "Digitalisierung" tun?

Der Fokus der Regionalentwicklung liegt bislang darin im Rahmen des physischen Raumes Akteursnetzwerke zu moderieren und Kommunen bzw. Unternehmen bei der Anbahnung von Infrastrukturprojekten zu unterstützen. Das Thema "Digitalisierung" spielt bislang eine untergeordnete Rolle, welche mitgedacht wurde.

Demzufolge betreten die meisten hauptamtlichen Akteure "Neuland". Dieser Umstand bedeutet, dass zunächst eine Wissensbasis in der Case Study geschaffen werden sollte, um im Rahmen der übergreifende Entwicklungsarbeit zu gemeinsamen Produkten/Plattformen zu gelangen bzw. bestehende Plattformen und Plattformansätze vor dem Hintergrund der realen Bedarfe vor Ort zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Relevante Entwicklungsthemen sind u.a.:

  • Versorgung (Nahversorgung, Gesundheit, soziale Dienste, Bildung)
  • Mobilität
  • Ehrenamtsorganisation
  • Wirtschaftsentwicklung
  • Lokale Kommunikation
  • Bürgernetzwerke/Nachbarschaftshilfe

Die Case Study befasst sich an dieser Stelle bewusst nicht mit behördlichen Themen und Aufgaben. Es handelt sich um Bereiche in denen die öffentliche Hand im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge bzw. der Wirtschaftsförderung aktiv werden kann ohne in Konkurrzenz mit der Privatwirtschaft zu treten.

Ziele

Wissenstransfer und Produktentwicklung als Treiber für eine zukunftsfähige und digitale Regionalentwicklung

 

Digitalisering
Hauke Klünder
Leiter des Arbeitspakets Strategieentwicklung; Case Study Leiter Erreichbarkeit und Digitalisierung
Kreis Plön
+49 4522 743 310
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